Warum praktizieren das so wenige?

Tsja, das frage ich mich auch manchmal und finde es sehr schade...Deshalb biete ich inzwischen auch Fortbildungen an.

Die Winkelfehlsichtigkeit und das Funktional-/Visualtraining sind nichts Neues.

Haase hat bereits  von 1953 bis 1981 an der Staatlichen Fachschule für Optik und Fototechnik Berlin (SFOF) unterrichtet und hierbei diese Testmethode zusammen mit Zeiss entwickelt, welche das entsprechende Sehtestgerät, den Polartest, lieferte.

Die Funktionaloptometrie ist seit etwa 1992 in Deutschland Bestandteil augenoptischer Tätigkeiten. Sie wird jedoch lediglich von rund 5 % der praktizierenden Augenoptiker angeboten. In den USA ist sie dagegegen schon viel länger, viel weiter verbreitet und auch anerkannt.

Dies liegt wohl zum einen an der Unwirtschaftlichkeit, am Anspruch der Testungen an das Fachwissen inkl. Fortbildungen und zum anderen an negativen Einstellung von Augenärzten.

Unwirtschaftlichkeit: Für einen guten Test benötigt man gerne 1 Stunde und mehr. Die Entlöhnung hierfür ist nicht gerade üppig.

Hinzu kommt, dass die Ausübung dieser Tätigkeit auch eine intensive Fortbildung voraussetzt, welche wiederum Geld und auch Zeit kostet, da in der Meisterschule und den Studiengängen dieses Thema nur angerissen wird und praktisch und theoretisch unbedingt noch vertieft werden muss. Auch eine gewissen Erfahrung ist wichtig, um jeden Fall gut einschätzen zu können. Also nichts für "schnell mal Angebot erweitern...".

Augenärzte: diese Thema ist sicher heikel. Aber ich finde, wir sollten nicht aus Sorge um Kompetenzgerangel anderen Menschen unsere Hilfe untersagen. Ein Augenarzt muss sich um ganz viele Augenkrankheiten kümmern, was extrem wichtig ist! Deshalb ist in seiner Ausbildung die funktionelle Seite der Optik nicht der Schwerpunkt. Auch fehlt ihm wohl auch die Zeit, sich eine Stunde mit einer Augentestung zu beschäftigen. In meinem Studium ging es hauptsächlich um funktionelle Dinge wie Augenprüfung, Kontaktlinsenanpassung und Funktionstestungen. Und selbst danach musste ich mich noch mehrfach fortbilden, um das nötige Wissen zu haben. Manchmal glaubt der Augenarzt, dass dieses Gebiet seine Orthoptistin (ein Lehrberuf) mit der Sehschule abdeckt, diese kümmert sich hauptsächlich aber um das pathologische Schielen und bietet nur sehr selten eine Schule, also Übungen, an.

Da ich selber eine Winkelfehlsichtigkeit (wurde erst im Studium erkannt) und 2 Kinder habe, lag mir dieses Thema besonders am Herzen. Sicherlich macht so eine persönliche Motivation es bedeutend leichter, sich in dieser Richtung zu orientieren und weiterzubilden.

Auf jeden Fall freue ich mich, wenn sich ein paar weitere motivierte Kollegen sich diesem Thema annehmen. Es ist so sinnvoll und erfüllend, auch wenn ab und zu etwas anstrengend. Aber leuchtende Kinderaugen und entspannte Eltern sind Lohn, den man nicht in € messen kann.