Wie kann man nun diese Winkelfehlsichtigkeit messen?

Das geht qualitativ und quantitativ nur mit der MKH-Messmethode: Mess- und Korrekturmethode nach Haase. Dazu braucht man ein spezielles polarisierendes Messgerät und polarisierende Gläser, welche beiden Augen getrennt voneinander 2 Bilder zeigen können.

Es gibt eine bestimmte Abfolge von mehren polarisierten Testen. Das wichtigste Bild, den Kreuztest, will ich Euch kurz genauer erklären:

Du siehst ohne Trennergläser (polarisierend) ein Kreuz, also einen senkrechten und waagrechten Strich mit je einer kleinen Lücke in der Mitte.

Das Besondere an diesem Test ist, dass die Bilder des rechten und linken Auges getrennt werden durch bestimmte Filter vor den Augen. Das heißt, dass jedes Auge etwas anderes sieht. Zur besserem Verständnis zeige ich Euch das mal mit Farben:

 

Das rechte Auge sieht nur den senkrechten Balken (rot), das linke nur den waagrechten (blau).

Bei nicht idealer Augenachsausrichtung im entspannten Zustand verschieben sich die Balken dann zueinander. Nun wird sichtbar, wie die Augen von Natur aus stehen, ohne dass die Augen die Richtung nachstellen/nachjustieren.

Dieses Bild beschreibst Du mir nun und ich schalte entsprechende Gläser vor, bis die Bilder mittig übereinander liegen und so das Kreuz wieder zentrisch ist. Diese besonderen Gläser lenken das Licht so ab, dass du ohne Nachjustieren mit beiden Augen auf denselben Punkt sehen kannst und so ein entspanntes Sehen möglich ist.

Diesem Test folgen noch weitere Teste, welche mir noch mehr Informationen über dein Sehen liefern. Dies würde hier jetzt zu weit führen. Das „Lesen“ der Informationen von Dir und die entsprechende Korrektur erfordert viel Wissen über den Sehvorgang ect und sehr viel Erfahrung.

Die getrennte Darstellung ist genau das, was den Test so besonders macht! Es gibt andere Teste, die auch die Augenstellung beurteilen, aber entweder mit einem kompletten Fusionsreiz (vorne ist ein Objekt, was Du mit beiden Augen gleichzeitig fixieren/sehen möchte und es auch tust) oder unter Ausschluss der Fusion (vorne ist kein Objekt, welches beide Augen gleichzeitig fixieren/sehen).

Hier werden sogenannte dissoziierende Heterophorien erfasst.

Eine Winkelfehlsichtigkeit aber ist bei einem kompletten Fusionsreiz nicht sichtbar, da die Augen nachjustieren, um ein Doppelbild zu vermeiden, oder eben ohne Fusionsreiz gar nicht nachstellen, da kein gemeinsamer Anreiz da ist.

Der MKH Test arbeitet mit dosierter Fusion , was dem natürlichen Sehen am nähesten kommt und erfasst somit die assoziierende Heterophorie! Dies ist nur möglich, wenn beide Augen gleichzeitig ein Objekt (z. Bsp. Kreuz aus zwei Strichen) fixieren und dabei aber unterschiedliche Bilder sehen (jedes Auge sieht nur einen Strich). Nur so wird die Winkelfehlsichtigkeit auch quantitativ messbar und in der Praxis korrigierbar.

Gerne könnt Ihr auch nochmal im Netz weiterlesen unter

http://www.shgwf.de

http://www.winkelfehlsichtigkeit.de

oder wenn Euch die Buchform lieber ist unter

Winkelfehlsichtigkeit – Ein Sammelband

von Uwe Wulff ISBN 978-3-8248-049

Bei diesem Test wird die Augen-achs-stellung beurteilt. Also: wie stehen die Augen beim Blick auf ein Objekt zueinander? In der Fachsprache nennen wir das Orthophorie (Parallelstellung bei Blick in die Ferne) oder Konvergenz (Augenachsen nach innen, braucht jeder beim Blick in die Nähe) oder Differgenz (Augenachsen nah außen) oder Heterophorie (Augenachsen in Höhe verschieden).

Am Sehen sind aber noch außer der Augenachsbewegung viele andere Bereiche beteiligt, Sehen ist eben nicht einfach, sondern einfach genial ;)

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